METAMORPH

Die Gestaltwandler

Aus der Auseinandersetzung mit Tonwerten und wie sich dadurch Stimmungen und Aussagen übermitteln lassen entstanden erste Experimente mit dieser Motivwelt.

 

 

W-B 01/1972 – 80cmX60cm

PALIMPSEST

rück seiten

alles ist durchleuchtet

Ein Text von Johannes Hucke

Du hast nicht viel. Den Einfall, die Hand. Du fängst immer von vorne an. Da liegt was: Der Knochen könnte ein Griffel sein. Du nimmst dir was vor und baust einen Rahmen für Sand; du nimmst dir die Rückseite des Felsens, der dich gegen den Wüstenwind schützt. Ein paar Kratzer, schon ist es ein Zeichen: für deinen Bruder, dass du hier warst. Für dich: dass es dein Bruder gesehen hat. Hier ist Ziegenhaut, gegerbt von den Fachleuten aus der Stadt, da hält deine Nachricht besser. Jetzt brauchst du fähige Transporter: Kohle, zerriebene Rinde. Blut. Silber.

 

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PALIMPSEST 01/2021 – 75cmX100cm

BEINHAUS

 

 

 

 

 

BEINHAUS 01/2021 – 100cmX100cm

PORTRAITS

Ernst Stankovski – F. C. Delius – Markus Brock – Johannes Hucke – Katharina Giesbertz – Luisa Giesbertz – Buenaventura Braunstein – Laura Klausutis – Elke Martens – Dr. med, Dr. phil. A. Krautschick – Uwe Dieter Bleil – Klaus Florian – Erik Mälzner – Werner Spribille – Klaus Urbons – Eva Kurowski – Stefan Veselka – Thomas Braus – Werner Spribille – Peter Weibel – Dietmar Hopp – Petra Hammesfahr –

 

Ernst Stankovski – schauspieler – Chansonnier – Regisseur

NUDE

Das Aktfoto als Spielart des Portraits.

Ebenso wie das Antlitz ist der Körper dazu prädestiniert, Aussagen über die Persönlichkeit und die Verfassung eines Menschen zu machen. Dies gilt selbst dann, wenn der Körper nicht als Ganzes sondern als Torso abgebildet ist. Daher erscheint es mir oft logisch und plausibel, den nackten Körper in Bewegung und Tanz darzustellen; dies ist schließlich seine ureigenste Funktion.

Meine Aktfotos erscheinen mir als Verkörperungen eines konservierten Augenblicks eines rituellen Tanzes.

Der Tanz hat seinen Ursprung in kultischen und religiösen Riten. Hierbei wurde oft nackt getanzt, um die Körper den Göttern anzubieten. Nackt ließ sich auch die Perfektion der Darbietung am besten beurteilen. Die Sport-Wettkämpfer der Antike sind ebenso wie die Tänzerinnen und Tänzer nackt angetreten. In der Aktfotografie und im Tanz bildet der menschliche Körper gleichermaßen das Material, mit dem Emotionen transportiert werden.

Ute Eskildsen sagte einmal über das Foto von Nicole: „Dies ist ein sehr schönes Portrait einer jungen Frau. Dass sie nackt ist, stört überhaupt nicht!“ Diese Äußerung hat mich in meiner Bildauffassung sehr bestärkt und auch meine auf Respekt basierende Arbeitsweise nachhaltig geprägt.

 

 

Nicole - Portrait / Akt Cyanotypie Edeldruck 24X30 cm ca. 1980

Nicole – Cyanotypie 24X30 cm – ca.1980

ARCHIV

Ein lockerer Rückblick.

Fotos aus dem Studium und Auftragsarbeiten aus meiner früheren Berufstätigkeit.

 

Calla Zantedeschia - ca. 1980 4X5 Dia

Calla – Zantedeschia – ca.1980 4X5 Colordia

PALIMPSEST

rück seiten

alles ist durchleuchtet

Ein Text von Johannes Hucke

Du hast nicht viel. Den Einfall, die Hand. Du fängst immer von vorne an. Da liegt was: Der Knochen könnte ein Griffel sein. Du nimmst dir was vor und baust einen Rahmen für Sand; du nimmst dir die Rückseite des Felsens, der dich gegen den Wüstenwind schützt. Ein paar Kratzer, schon ist es ein Zeichen: für deinen Bruder, dass du hier warst. Für dich: dass es dein Bruder gesehen hat. Hier ist Ziegenhaut, gegerbt von den Fachleuten aus der Stadt, da hält deine Nachricht besser. Jetzt brauchst du fähige Transporter: Kohle, zerriebene Rinde. Blut. Silber. Formwandler gehen um. Ihnen ist nichts heilig. Obwohl es ja Götter sind. Oder Verdammte; Ex-Götter, Untote, Geister, mal grauenerregend, mal ulkig, unterwegs, um Schabernack zu treiben, Inspirationen auszulösen: man könnte den Ohrwurm, den der Alte auf dem Berg singt, auch mal aufschreiben. Verwirrung: Was du eben noch lesen konntest, schon ist es Hexenwerk. Der Vampir spuckt den Stein aus den Zähnen und kommt lächelnd zurück: zu dir. Alles wird dir zum Märchen, sobald der Horizont gedeutet ist, schimmernde Matrix, Zeitungen für Vögel und andere Schattenspieler. Für Gestaltwandler; ihnen ist alles heilig.

Das Material: knapp, immer schon; kostbar, gehütet. Von Priestern Schamanen geklaut; unbenutzbar, liegengeblieben in dem Kämmerchen hinter der Sakristei, vorgesehen zum Arschabwischen; wiedergefunden von einem kranken Mönch; behutsam abgeschabt, wiederbeschriftet: technologische Sensationen; Pigmente, auf die Zeitreise geschickt, Tinte aus der Tiefsee, in Worten konserviert, für bessere Tage. Um bessere Tage zu avisieren.

Die Schrift: eckig, abstrakt; ein Paartanz der Zeichen; erfunden von Sklaven auf der Flucht vor dem Pharaonenterror; auf Tontafeln geriffelt, eilig, in Angst: Nachrichten aus dem verwundeten Land; unleserlich nach zwei Generationen, kaum dechiffrierbar, überlagert, zweimal, hundertfach: Palimpseste, immer schon. Es gibt keinen Neuschnee, aber es gibt Palimpseste: knittrige Metamorphosen. Wie sind wir alt geworden! Alt wie die Mönche. Und plötzlich wie neu geboren. Wie ein Zicklein, das seine Haut behalten will, diesmal.

Emergenz: Die Struktur macht Sprünge; eben noch Matsch, schon ein Golem, unterwegs zu den Ahnungslosen; eben Sternenstaub, jetzt Du. Alles geht zugrunde? Wahrscheinlich. Und dann? Alles ist durchleuchtet. Das Paradies hat wieder geöffnet, durch die Drehtür auf der Rückseite. Was heut gehet müde unter, / hebt sich morgen neu geboren. Eichendorff, die Romantiker: Journalisten der Liebe, die an alles glauben. Für ihre Erben ist alles Text.

Der Text: Arp schreibt – der noch lieber ein Dichter war als ein Maler, Skulpteur, Collagist – Arp schreibt: Worte von Wunderwanderungen … lichte Worte entflohener Blumen … Worte alter Eisenbahnen, durch ihren Salatschwenkekorb gehustet … Worte von Sündern beim Auspacken einer Sendung von Engelszungen … träumende Flockenworte … Worte von Engeln für Engel … Worte von einem Teufel, schwarz auf schwarz geschrieben, an einen Luftballon befestigt und zum Teufel geschickt … Worte, die nur gemalt werden können.